Qualitätsmanagement ist trocken und eintönig – wirklich?

Fachtagung Qualitätsmanagement 2010 | Foto: Elke MeurerAm 9. und 10. November fand in München zum dritten Mal die Fachtagung Qualitätsmanagement statt. Aktuelle Informationen und Trends, Austausch und spannende Vorträge – vielfältige und kurzweilige Tage für Teilnehmende und Referenten.

Es ist bereits ein bewährtes Rezept: Am ersten Tag stehen abwechslungsreiche und praxisnahe Vorträge auf dem Programm. Der zweite Tag bietet mit 4 Workshops eine Vertiefung von verschiedenen Themen.

Ein Netzwerk entsteht

Das gemeinsame Thema verbindet Teilnehmer aus ganz Deutschland und aus den verschiedensten Unternehmen. Einige Gäste sind Teilnehmer der ersten Stunde. Egal, ob Produktionsfirma oder Dienstleister: Für alle ist etwas dabei. Die Pausen geben zudem die Möglichkeit zum Gespräch, was sich sehr gut beim Abendessen fortsetzen lässt.

Die Vortragsreihe

Vorträge, die sich hören und sehen lassen können:

Die Workshops

Das Workshop-Angebot findet bei den Teilnehmern der Fachtagung stets regen Anklang. Im Workshop I vertiefte Helmut Hein das Thema „Mitarbeiterqualifizierung“, während parallel im Workshop II Bastian Quattelbaum die Teilnehmer  in sein Thema „Perceived Quality – Wahrgenommene Produktqualität“ einbezog.

Torsten Moch führte die Teilnehmenden im Workshop III an die „Business Impact Analyse“ als Teil des Business Continuity Managements heran. „Die richtige Bewertung nach der neuen EFQM-RADAR-Logik“ stand im Workshop IV mit Dr. André Moll auf dem Programm.

Danke

Mein Dankeschön geht an die Tagungsleiterin, Stefanie Gertz, und an das Team der WEKA Akademie. Sie sorgten für einen reibungslosen Programmablauf, wobei gelegentlich Verbesserungspotential des Tagungshotels freigesetzt wurde…

Bericht zur Fachtagung als PDF downloaden.

“Führung muss stören”

So lautet die Überschrift der w+w Toolbox der aktuellen Ausgabe (03/2010) des Magazins Wirtschaft + Weiter­bildung. Professor Rudolf Wimmer erläutert darin sechs Kriterien, woran eine gute Firmenleitung zu erkennen ist. Lassen sich diese Kriterien auf alle Unternehmen über­tragen?

„Gute Firmenleitung“ ist natürlich ein dehnbarer Begriff, den es zu konkretisieren gilt. Es gehört zu den Führungs­aufgaben, das Unternehmen zu steuern und nicht selbst im Alltagsgeschäft zu versinken. Dazu ist eine aktive Auseinan­dersetzung mit der Firmenumwelt notwendig.

Kriterium 1: „Von der Zukunft her führen“

Wimmer bemängelt das zu intensive Problemewälzen der Vergangenheit in Organisationen und daraus Strate­gien für die Zukunft entwickeln zu wollen. Vielmehr sei es wünschenswert den Blick in die Zukunft zu  richten, die eigenen Existenzgründe regelmäßig zu erneuern und „die Organisation konsequent von ihrer wünschens­werten Zukunft her führbar zu machen“. Der Leitung komme hier die Aufgabe des Störers zu, die die Vergan­genheitsorientierung unterbreche.

Kriterium 2: „Kundenorientierung einfordern“

Die Anforderungen aller interessierten Parteien ändern sich, weshalb ein optimaler Austausch erforderlich sei. Zudem müsse dieser beobachtet und bewertet werden. Eine reine Selbstbeschäftigung solle vermieden wer­den. Die Leitung soll hier stören, in dem sie von der Nabelschau weglenke zu den interessierten Parteien, damit Tendenzen auf dem Markt erkannt würden.

Kriterium 3: „Auf den sparsamen Umgang mit Ressourcen achten“

Laut Wimmer neigt eine systemisch wachsende Organisation dazu, mehr Ressourcen haben zu wollen, obwohl der Bedarf dafür nicht gewachsen ist und neige daher zur Vergeudung. Die Leitung habe die Aufgabe diesen Prozess durch gezieltes Ressourcen-Management zu stören und auf Wirtschaftlichkeit zu achten.

Kriterium 4: „Organisation infrage stellen“

Der Markt verändert sich schnell und die Organisationsentwicklung müsse für eine schnelle Antwort sorgen. Zu einer Entwicklung gehöre die Lernfähigkeit, die erhöht werden müsse. Die Leitung solle in dem Sinne stören, dass sie die aktuelle Organisation hinterfrage und neue Formen suche.

Kriterium 5: „Personalmanagement wichtig nehmen“

Die Leitung soll die Tendenz einer systemischen Organisation stören, Weiterbildung jedem einzelnen zu über­lassen und Leistungskapazitäten aller Mitarbeiter unbegrenzt abschöpfen zu wollen. Persönliche Leistungs­potentiale von Mitarbeitern und Anforderungen der Organisation müssen auf allen Ebenen zusammenpassen.

Kriterium 6: „Selbstbeobachtung organisieren“

Mitarbeiter freuten sich über ihre Vielfalt und konstruierten daraus eine eigene Wirklichkeit. Daraus entstünden Handlungsimpulse, die die Leitung wiederum stören müsse. Dazu seien Kriterien notwendig, die durch Kenn­zahlen gemessen werden könnten. So entstünden automatisch Korrekturmaßnahmen.

6 Kriterien für kleine und mittelständische Unternehmen

Insgesamt schließe ich mich Wimmers Kriterien an.  Meiner Meinung nach wird implizit von größeren Organisa­tionen gesprochen. Sicherlich sind die Kriterien auch für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) gültig, sollten dabei in einigen Punkten modifiziert werden. KMU sind genauso systemisch veranlagt wie große Unternehmen, aber die Hierarchie ist flacher und die Leitung somit näher.

In kleinen Unternehmen ist der Kunde viel näher, weshalb die Kundenorientierung schneller entsteht. Kaum ein Mitarbeiter kann sich in einer Abteilung hinter Aufgaben verstecken, sondern erfährt unmittelbar auf schnellem Kommunikationsweg, in welche Richtung die Kundenwünsche laufen.

Ich möchte nicht behaupten, dass es in kleinen und mittelständischen Unternehmen keine Verschwendung gibt, jedoch hat die Unternehmensleitung aufgrund der Größe öfter einen guten Überblick – und oftmals den Daumen auf dem Budget. Investitionen werden länger, wenn auch nicht unbedingt gründlicher überdacht. Dem von Wimmer genannten systemischen Grundzug wird hier also frühzeitig entgegengewirkt.

Personal ist in einem mittelständischen Unternehmen sehr wichtig, da jeder einzelne Mitarbeiter verantwor­tungs- und vertrauensvoll arbeiten muss. Das Manko unterscheidet sich in KMU gegenüber größeren Unter­nehmen kaum: Die Auswahl der fachlichen Ausbildung des Personals ist in der Regel angemessen, dagegen hapert es an einer geplanten Weiterbildung.

Stören und gleichzeitig leiten

Der Begriff „stören“ ist von Wimmer sorgfältig gewählt und trifft den Nagel auf dem Kopf. Es ist oftmals so, dass eine Leitung internen Tendenzen entgegenwirken muss, damit das Unternehmensziel nicht „vergessen“ wird.

Gleichzeitig kommt ihr die anspruchsvolle Rolle zu, Vorbild und Ansprechpartner zu sein. Zu diesem persön­lichen Spagat der Führung lässt sich nur Wimmers 5. Kriterium unterstreichen: Personal muss auf allen Ebenen weiterentwickelt werden – auch auf der Leitungsebene!

Web-Seiten Professor Dr. Rudolf Wimmer:

„Führung muss stören“ als PDF zum Download