Den Propheten im eigenen Lande hört man nicht

Die Studie „Qualität im Krankenhaus 2010“ von QualityExperts, die im Oktober 2010 veröffentlicht wurde, hat unter anderem ergeben, dass die Aufgaben des Qualitäts-Beauftragten (QB) als Ballast empfunden werden.

Diese Wahrnehmung gilt wahrscheinlich – leider – nicht nur für das Gesundheitswesen. Schon so manches Mal habe ich mit Beauftragten gesprochen, die von der Unterstützung im Unternehmen eher enttäuscht waren und mehr aus der eigenen Überzeugung ihre Motivation schöpften. Unterstützung hieße, die Mitarbeiter von anderen Aufgaben zu entlasten, damit sie entsprechend Kapazität für Qualitäts-Aufgaben haben.

Sind die Aufgaben festgelegt?

Es gibt grobe Anforderungen, die sich aus der DIN EN ISO 9001:2008 ergeben, aber im Unternehmen dann noch „gefüllt“ werden müssen. Zu den geforderten Aufgaben gehören:

  1. sich um das Qualitätsmanagement-System (QMS) „kümmern“.
  2. der Unternehmensleitung über die Leistungsfähigkeit des QMS Bericht erstatten.
  3. in der Belegschaft das Bewusstsein für Qualität fördern.

Das sind jedoch nur ganz selten die alleinigen Aufgaben eines QB, denn die QM-Aufgaben werden häufig zusätzlich übernommen. Um als Beispiel im Gesundheitswesen zu bleiben: Die Pflegedienstleitung ist gleichzeitig QB.

Welche Rolle hat ein QB in der Praxis?

Vieles hängt davon ab, wie die internen Regelungen und Kapazitäten für den QB sind. Immerhin fordert die Norm, dass der QB aus der Leitungsebene (mittleres Management) heraus benannt werden soll. Die Norm fordert übrigens nicht, alle Aufgaben nur einer Person zu übertragen. Der verantwortliche QB kann also Aufgaben durchaus delegieren.

Die o.g. Anforderungen sollte man sich mal durch den Kopf gehen lassen: Dahinter steckt ein Stellenprofil, das viel von einem Mitarbeiter verlangt. Zum einen fachliche Kenntnisse des Qualitätsmanagements, aber auch Verhandlungsfähigkeit (denn nach dem Bericht folgt in der Praxis die Planung für das kommende Jahr) und Kommunikationsfähigkeit: „Bewusstsein fördern“ heißt Überzeugungsarbeit leisten und Ängste nehmen.

Der Idealfall

Es ist ein spannender Job. Im Idealfall ist der QB ein interner Unternehmensberater. Das QM-System umfasst alle wertschöpfenden Prozesse im Unternehmen. Somit hat er einen Überblick über das Unternehmen, die sonst nur die oberste Leitung hat (haben sollte). Gleichzeitig kennt er die Prozesse und Menschen in einer Tiefe, an die kein externer Berater herankommt.

Der Idealfall kann jedoch nur eintreten, wenn die oberste Leitung das Qualitätsmanagement-System überzeugend nutzen will und das Potenzial des QB nutzt.

„Prophet im eigenen Lande“ als PDF zum Download

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.